Das Leben mit unseren liebsten Hausgenossen, den Hunden, hat sich in den letzten Jahren nicht unwesentlich geandert. Heutzutage hoert man als erstes, wenn man sich einen Hund angeschafft hat oder anschaffen moechte Schlagworte wie Hundeschule, Hundefuehrerschein, Wesenstest, Listenhunde uvm.
Viele unserer beliebtesten Hunderassen sind in kuerzester Zeit zu Modehunden mutiert und allzu ehrgeizige “Zuechter” haben die Moeglichkeit des schnell verdienten Geldes allzu gut genutzt. Zum Uebel der Rasse. Und hier faellt mir ein weiteres Schlagwort ein: Ueberzuechtung. Dadurch ist es zu nicht unerheblichen Gesundheits- und Wesensveraenderungen gekommen.
Viele Hundefreunde sind in den letzten Jahren auf den noch weitgehend unverfaelschten Hirtenhund aufmerksam geworden. Seine Urspruenglichkeit haben in den letzten Jahren immer mehr Anhaenger gefunden. Dadurch sind natuerlich auch wiederum neue Probleme entstanden. Manch einer ist davon ausgegangen, dass ein Hund (egal welcher Rasse) sich unserem Lebensstil anzupassen hat. Ein gefaehrlicher Irrtum, denn zuerst einmal muessen Hund und Mensch zueinander passen. Man sollte also im Vorfeld schon ueberlegen, ob der eigene Lebensstil zum jeweiligen Hundetyp passen wuerde.
Je groesser und wehrhafter der Hund ist, desto schwieriger wird die Integration eines solchen in unserer Gesellschaft. Aber so sind die Hirtenhunde: Grosse, kommpromisslose Waechter und Beschuetzer, die sich schwer “reinreden” lassen. Sie sind keine super geselligen Hunde, die sich wie manch andere Rassen auf Hundeplaetzen mit Gleichgesinnten vergnuegen. Sie sind Fremden gegenueber eher scheu und zurueckhaltend und lassen sich meisst nur mit der eigenen Familie, Rudel und Freunden bzw. Hundefreunden gerne ein. Dass ein Hirtenhund seine Schafherde braucht, ist nicht richtig. Der enge Familienanschluss und Respekt sind ihm viel wichtiger und auch in unserer super modernen Welt kann er seinen Platz finden. An den Halter wird ein sehr hoher Anspruch gestellt: die richtige hirtenhundgerechte Erziehung und Integration unter Beruecksichtigung seines Charakters und seiner Ansprueche.
Sicherlich ist die genetische Abstammung der Hirtenhunde nicht unwesentlich, dennoch sind Praegung, Sozialisierung und die richtige Integration in ein bestimmtes Lebensumfeld weitaus bedeutender. Da Hirtenhunde im Gegensatz zu vielen anderen Rassehunden eine verlaengerte Jugendzeit haben, verlaengern sich dementsprechend auch Erziehungsprogramm und Gewoehnung.
Wichtig bei jedem Erziehungsversuch und Eingewoehnungsprogramm ist, dass sie den Hund so akzeptieren wie er ist: ein selbstaendiger und zuverlaessiger, manchmal dickkoepfiger und stoischer sowie stolzer Waechter, der ein volles Familienmitglied sein moechte. Der Hirtenhund will mit Respekt behandelt werden und wird niemals der perfekt abgerichtete unterwuerfige Hund werden.
Der Hirtenhund ist also kein Hund fuer jedermann. Aber derjenige, der zu einem Hirtenhund passt, hat es umso leichter, ihn in unsere super modernen Welt zu integrieren.
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